August 2025
Assa Abloy: Sicherheit mit System – vom Briefkasten zum Smart Lock

Wenn man in England einen Brief in einen der roten Royal-Mail-Kästen wirft, steckt darin ein Stück Industriegeschichte. Die Schlösser stammen von Chubb, einer Marke, die 1818 gegründet wurde und bald Kunden wie den Duke of Wellington, die Bank of England oder die britische Post gewann. Heute ist Chubb Teil der schwedischen Assa Abloy Group – ein Beispiel dafür, wie weit die Wurzeln des Unternehmens reichen: vom klassischen mechanischen Schloss bis zum hochmodernen Smart Lock.

Vom Zusammenschluss zur Weltmarktführerschaft

Die schwedische Assa Abloy Group hat sich in den letzten drei Jahrzehnten zum Weltmarktführer für Zutrittslösungen entwickelt. Das Unternehmen bietet ein umfassendes Sortiment an Produkten und Dienstleistungen rund um Schlösser, Türen, Tore und Zugangssysteme – von mechanischen Türschlössern bis zu biometrischen Identifikationssystemen.

Innovationen bei Assa Abloy entspringen oft konkreten Bedürfnissen aus der Praxis. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist die Geschichte eines ihrer Vorgängerunternehmen aus den 1970er-Jahren: Im Jahr 1974 erfuhr der norwegische Ingenieur Tor Sørnes von einem Überfall auf eine Hotelgästin, die nachts in ihrem Zimmer von einem Eindringling attackiert wurde. Dieses Schlüsselerlebnis war für Sørnes der Auslöser, ein besseres Türschließsystem für Hotels zu entwickeln. Zwei Jahre später stellte er mit VingCard das weltweit erste programmierbare Schlüsselkarten-Schloss vor – eine Revolution in der Hotellerie. Gleichzeitig entwickelte Bjørn Lyng den ersten elektronischen Zimmersafe (Elsafe). Die beiden Innovatoren schlossen sich 1994 zusammen, um ihre Lösungen global zu vermarkten.

Diese Anekdote zeigt exemplarisch, wie Assa Abloy aus realen Problemen zukunftsweisende Produkte schafft. Was mit einer simplen Plastik-Keycard begann, hat den Weg bereitet für die modernen Zutrittssysteme, die wir heute als selbstverständlich erachten – ob im Hotel, im Büro oder zu Hause. Diese Kultur, Probleme in Chancen zu verwandeln, prägt das Unternehmen bis heute.

Assa Abloy entstand 1994 aus der Fusion von ASSA (gegründet 1881 in Schweden) und Abloy (1907 in Finnland). Aus diesem Zusammenschluss und über 300 weiteren Übernahmen (davon alleine 27 Zukäufe in 2024) entwickelte sich innerhalb von drei Jahrzehnten der weltweit führende Anbieter– mit heute über 61.000 Mitarbeitern, Präsenz in mehr als 70 Ländern und einem Umsatz von rund 13 Milliarden Euro.

Dieses Wachstum war kein Zufall. Schon in den 1990er-Jahren begann Assa Abloy, einen stark fragmentierten Markt zu konsolidieren. Unter CEO Johan Molin machte das Unternehmen zwischen 2005 und 2018 über 120 Übernahmen – meist kleinere Spezialisten, oft mit niedrigen Margen und halber Produktionsauslastung. Nach der Integration stiegen Effizienz und Profitabilität erheblich. So konnte das Unternehmen im Schnitt 8% Umsatz pro Jahr zulegen – und dabei die Margen sogar verbessern.

„Quality Deals“: Wachstum durch Akquisitionen

Ein Musterbeispiel ist die Übernahme von Besam im Jahr 2002. Der schwedische Hersteller automatischer Türen (u.a. Drehtüren) galt als Weltmarktführer in diesem Segment. Assa Abloy zahlte das 1,5-Fache des Umsatzes – ein stattlicher Preis. Doch die Integration war so erfolgreich, dass der Bereich „Entrance Systems“ heute fast ein Viertel des Konzernumsatzes ausmacht.

Ähnlich liefen viele andere Akquisitionen. Statt großen, riskanten Megadeals setzt Assa Abloy meist auf kleine, komplementäre Zukäufe. Häufig handelt es sich um Familienunternehmen, die technisch führend, aber ineffizient organisiert waren. Manche Targets arbeiteten nur mit 50 % Auslastung. Nach der Eingliederung in Assa Abloys Netzwerk wurden Fertigung und Prozesse modernisiert – mit spürbarem Gewinnsprung.

Dass diese Strategie funktioniert, zeigen die Margen: Theoretisch hätten die vielen Zukäufe die Rendite verwässern müssen. Stattdessen stieg die operative Gewinnmarge von 14% (2006) auf über 16% (2014) – ein Beweis für die Integrationskompetenz des Konzerns.

Dezentral und dennoch integriert

Das Erfolgsrezept liegt in dezentralen und schlanken Strukturen. Die eingekauften Unternehmen behalten die operative Verantwortung, sind aber sofort in die Bereiche Vertrieb, IT und Einkauf des Konzerns integriert. So lassen sich mehrere Übernahmen gleichzeitig integrieren, ohne die Organisation zu überlasten. International arbeiten die Tochterfirmen direkt miteinander, sodass sich Erkenntnisse, beispielsweise in der Produktion, schnell umsetzen lassen.

Parallel dazu hat Assa Abloy seine Produktionslandschaft radikal verschlankt. Seit 2006 wurden 71 Werke geschlossen, 39 Büros aufgegeben und 84 Standorte in reine Montagewerke umgewandelt. Das Ergebnis sind schlankere Prozesse, mehr Flexibilität und niedrigere Kosten. Ein anschauliches Beispiel dafür war unser Besuch des Unternehmens in Stockholm: Wir hatten Schwierigkeiten, das verhältnismäßig kleine Büro in der Innenstadt zu finden.

Digitalisierung als Wachstumstreiber

Neben der M&A-Strategie hat Assa Abloy die Digitalisierung früh in den Mittelpunkt gestellt. Schon in den 1970er-Jahren revolutionierte die Vorgängermarke VingCard mit den ersten Hoteltür-Schlüsselkarten die Branche. Heute geht der Weg weiter:

    • Smart Locks, die per Smartphone oder Code bedient werden.
    • Cloud-Plattformen, die Zugangsrechte zentral steuern.
    • Digitale Identitätssysteme für Unternehmen, Flughäfen und Krankenhäuser.

Damit verbindet Assa Abloy zwei Welten: mechanische Robustheit und digitale Intelligenz. Für Kunden bedeutet das: Sicherheit wird nicht nur stärker, sondern auch komfortabler und effizienter.

Ein Riese mit „nur“ 10 % Marktanteil

So groß Assa Abloy auch erscheinen mag: Das Unternehmen hält lediglich etwas über 10 % Weltmarktanteil. Und das, obwohl es doppelt so groß ist wie der zweitgrößte Wettbewerber. Für Investoren bedeutet das: Das Konsolidierungspotenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft. In Deutschland tritt Assa Abloy unter anderem gegen Hörmann, Abus und Burg-Wächter an.

Shareholder Value und Nachhaltigkeit

Im Hintergrund wirken und beraten die Anteilseigner: die Investment AB Latour der Familie Douglas, die jahrzehntelang mit der Wellenberg-Sphäre verbunden war, sowie Melker Schörling AB (u. a. Hexagon), die die Entwicklung von Assa Abloy vorantreiben. Beide Unternehmen entwickeln schwedische Industriefirmen seit Jahrzehnten mit langfristiger Vision, ruhiger Hand und einem Blick auf die Mitarbeitenden.

Diese Strategie zahlt sich auch für Anleger aus. In den letzten 15 Jahren hat sich der Aktienkurs verachtfacht. Dies wurde durch stetiges Umsatzwachstum, disziplinierte Akquisitionen und stabile Margen ermöglicht.

Neben langfristigen Trends wie Urbanisierung, steigendem Wohlstand und einem höheren Sicherheitsbewusstsein rückt auch das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund. So hat sich Assa Abloy verpflichtet, seine CO₂-Emissionen bis 2030 deutlich zu reduzieren und bis 2050 Netto-Null zu erreichen. Damit reagiert der Konzern auf die wachsende Nachfrage nach umweltfreundlichen Lösungen, die auch in der Bau- und Immobilienbranche immer wichtiger werden. Viele Bestandslösungen in der Schließtechnik werden künftig ausgetauscht werden müssen.

Quelle: Assa Abloy

Unser Blick als langfristiger Investor

Assa Abloy ist ein seltenes Beispiel dafür, wie sich Tradition, Unternehmenskultur und Innovation zu einem belastbaren Geschäftsmodell verbinden lassen. Von den Chubb-Schlössern in den roten Briefkästen über die Übernahme von Besam bis hin zu den heutigen Smart Locks zieht sich ein roter Faden. Probleme werden in Chancen verwandelt – mit einer Mischung aus schwedischer Disziplin und unternehmerischer Flexibilität. Zusätzlich entsteht durch die weltweit installierte Basis an Systemen und den daraus entstehenden Service- und Ersatzteilumsatz ein einzigartiger Wettbewerbsvorteil. Dass der Weltmarktführer erst 10% Marktanteil hat, eröffnet langfristig enorme Perspektiven. Für uns bleibt Assa Abloy daher ein zentrales Investment – ein Unternehmen, das seit Jahrhunderten Türen sichert und auch in Zukunft neue Wachstumstüren öffnen wird.

Autor: Christian Kahler

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